Er war die große Hoffnung im deutschen Motorradsport. Er sollte in die Fußstapfen von Ralf Waldmann treten. Nicht wenige trauten ihm in naher Zukunft den WM-Titel zu. Mittlerweile ist Stefan Bradl jedoch in der Realität angekommen. Viel Arbeit steht vor dem jungen Talent. Aktuell muss er sich die Frage stellen, ob er nicht zu schnell auf eine größere Maschine wechseln wollte oder ob der Klassenwechsel durchaus Sinn macht.

2005 fuhr Bradl die ersten Rennen in der 125cc-Weltmeisterschaft. Einen WM-Punkt konnte der damals 15-jährige ergattern. Im selben Jahr sicherte er sich die Internationale Deutsche Motorrad-Meisterschaft. Deutschland hatte nach vielen schlechten Jahren wieder einen Hoffnungsträger. Es ging steil bergauf. Zwei Jahre später hatte er sich in die Top Ten der Weltmeisterschaft gekämpft und zudem die spanischen Motorrad-Meisterschaft gewonnen. 2008 prophezeiten ihm die Experten den WM-Titel. Der Außenseiter konnte mit zwei Saisonsiegen seine Ambitionen untermauern, patzte aber in den entscheidenden Momenten und kam am Ende “nur” als Vierter ins Ziel.

2009 sollte dann aber seine Saison werden. Doch es blieb bei der Hoffnung. Der junge Fahrer sah zumeist nur die Rücklichter und musste am Ende seinem deutschen Konkurrenten Sandro Cortese in der WM-Wertung (10.) den Vortritt lassen. Anstatt in dieser Saison den Kampf um die WM-Krone bei den 125ern aufzunehmen, entschied sich Bradl für einen Aufstieg in die neu gegründete Moto2. Ein Fehler?

Während Cortese wieder in der Weltelite mitmischt, fährt Bradl weit hinterher. Beim heutigen Rennen in Le Mans setzte er ein erstes Achtungszeichen. Als 35. gestartet raste er auf Platz neun. Zweifelsohne. Speed besitzt Bradl. Die hat er von seinem Vater Helmut geerbt, der 1991 Vizeweltmeister bei den 250cc wurde. Die Vorgängerklasse der Moto2. Bradl scheint mit aller Macht in die Fußstapfen seinen Vaters treten zu wollen und geht dabei dem harten Kampf in der 125cc aus dem Weg.

Doch vielleicht ist der Abschied von der kleinsten Klasse, in der er sich zuletzt schwerer tat, genau der richtige Weg, um alte Laster abzustreifen und “neu” anzufangen. Mit 20 Jahren ist Bradl noch jung. Selbst, in einer Sportart, in der auch schon 16-jährige in vorderen Reihen mitfahren. Nur muss Bradl allmählich beweisen, dass er mehr als nur das Talent besitzt Nachfolger von Ralf Waldmann zu werden.

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